Playmates

Augusta Ada Lovelace 8.Oktober 2001
Elizabeth Blackwell 2.November 2001
Rosa Luxemburg 4.Dezember 2001
Rosalba Carriera 14.Januar 2002
Astrid Lindgren  2.Februar 2002
374 Frauen 14.März 2002
Margarete von Österreich 17.April 2002
Friederike Caroline Neuber 16.Mai 2002
Eleonore von Aquitanien Juni/Juli 2002
 


Augusta Ada Countess of Lovelace

* 1815 in London   t 1852 in London

"Ich glaube nicht, dass mein Vater ein ebenso guter Dichter war, wie ich eine gute Mathematikerin sein werde!" Augusta Ada Lovelace

   1838

Im Jahre 1975 ordnete das Pentagon die Entwicklung einer universell einsetzbaren Computersprache an; sie bekam den Namen ADA, zur Erinnerung an die "Computerpionierin" Augusta Ada Lovelace, geborene Byron.

Lord George Byron war Vater dreier Töchter aus der Verbindung mit drei verschiedenen Frauen. Ada war sein einziges eheliches Kind mit der mathematisch sehr begabten Annabella Milbanke, die er "my Princess of Parallelogisms" nannte. Die Ehe hielt nur ein knappes Jahr. Nach der Geburt von Ada 1815 schickte Byron seine Frau zu ihren Eltern zurück. Byron verließ damals London wegen eines Inzestverdachts und großer Schulden; er wurde von der englischen Gesellschaft geächtet und floh in die Schweiz, dann nach Italien. Ada blieb bei der Mutter, obwohl im damaligen englischen Recht die Erziehungsgewalt und das Sorgerecht allein in den Händen des Vaters lag.

Das Mädchen wurde von seiner intelligenten Mutter in Mathematik, Astronomie, Latein und Musiklehre unterrichtet und erhielt eine sehr streng naturwissenschaftliche Erziehung, möglicherweise als Gegengewicht zum "Romantischen Erbe" des treulosen Vaters, der 1824 in Griechenland an Malaria verstarb.

Ihre Mutter unternahm mit ihr im Alter von 10 Jahren eine erste Bildungsreise durch Europa. Mit 17 Jahren wurde Ada König Willhelm IV. vorgestellt, womit ihr gesellschaftliches Leben begann.

Ada entwarf schon früh Konstruktionspläne für verschiedenartige Maschinen. Sie korrespondierte mit der aus Schottland stammenden Mathematikerin Mary Sommerville und dem Mathematiker Charles Babbage. Sie galt als Förderin von Babbage, da sie Programme für die von ihm konzipierten ersten Rechenmaschinen mit Programmsteuerung entwarf. Außerdem übersetzte sie ein Buch von L.F. Menabrea, das Babbage`s Analytical Engine erläuterte. Dabei stellte sie umfangreiche eigene Berechnungen an; letztendlich waren die Anmerkungen dreimal so lang wie der ursprüngliche Text. Die von Babbage 1833 entworfenen Rechenmaschinen sind die Vorstufe zum ersten Computer. Ada gelang es auch vorauszusagen, wie die Maschinen zukünftig angewendet werden könnten. So seien sie zum Beispiel zum Komponieren von Musik zu verwenden.

Mit 19 Jahren wurde sie mit William Lord King, dem späteren Earl of Lovelace, verheiratet. Es wurde eine Ehe zu dritt, denn Lady Byron und ihr nur 10 Jahre jüngerer Schwiegersohn verstanden sich prächtig. Er las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Adas Hoffnung, durch ihre Heirat Distanz zu ihrer Mutter zu bekommen, erfüllte sich nicht. William nannte die Mutter "hen" (Glucke), sie ihn "crow" (Krähe) und Ada wurde "bird" (Vogel) genannt.

Adas bester Freund und Vertrauter blieb Babbage, dem sie schrieb :"Ich glaube nicht, daß mein Vater ein ebenso guter Dichter war, wie ich eine gute Mathematikerin sein werde."

Doch nun wurde sie erst einmal Mutter von drei Kindern und hatte Hausfrauenpflichten zu übernehmen. Wenn es nur irgend ging, zog sie sich zurück und widmete sich der Mathematik und der Musik. Sie wurde immer exzentrischer, warf sich ins Gesellschaftsleben, wo sie immer nur als Tochter des romantischsten aller romantischen Dichter Englands galt. Liebesaffären und der Verlust hoher Summen bei Pferdewetten wechselten sich ab. Die letzten fünf Jahre ihres Lebens widmete sie der Arbeit an einem mathematisch ausgefeilten Wettsystem. Ihr Gesundheitszustand war desolat. Sie litt an Magersucht. Opium, Aderlässe, das damalige Allheilmittel, sowie Alkohol zerstörten sie sehr schnell. Erst 36 Jahre alt, starb sie an Krebs. Zum Entsetzen ihrer Mutter hatte sie im Testament bestimmt, dass sie an der Seite ihres Vaters begraben werden wollte.

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  
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noch eine kurze Biographie

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Elizabeth Blackwell

* 1821 in Counterslip bei Bristol   t 1910 in Kilmun/Schottland

"Vorbeugen ist besser als Heilen" Elizabeth Blackwell

 

 

Ein heute sehr bekannter Slogan in der Krankheitsvorsorge lautet: "Vorbeugen ist besser als Heilen." Dieser kluge Ausspruch stammt von der Engländerin Elizabeth Blackwell, die im Alter von 27 Jahren 1849 als erste Frau in den USA und zugleich als beste Studentin ihres Jahrgangs am Geneva College in New York das Doktorexamen ablegte und somit die erste Ärztin Amerikas wurde.

Im Jahr 1832 waren "Those Extraordinary Blackwells" (so der Titel einer Biographie über diese Familie) von Bristol nach Nordamerika ausgewandert, wo die meisten der neun Kinder erfolgreich wirken sollten. Elizabeth und Emily wurden Ärztinnen, Samuel und Henry Sozialreformer, Anna Zeitungskorrespondentin, Ellen Schriftstellerin und Künstlerin. Samuel heiratete Antoinette Brown, die erste amerikanische Pastorin, und Henry die Frauenrechtlerin und Abolitionistin (Mitglied der Antisklaverei-Bewegung) Lucy Stone. Elizabeth arbeitet als Lehrerin an einer von ihrer Mutter betriebenen Privatschule, unterrichtete später Musik in Charleston, um Geld für das erträumte Studium der Medizin zusammenzubringen. Obwohl das Studium der Medizin amerikanischen Frauen bis 1895 nicht erlaubt war, hielt sie an ihrem Wunschtraum fest, der sich durch die Aufnahme am Geneva College in New York dann doch noch erfüllte. Da sie als Ärztin in den USA keine Anstellung bekam, reiste sie zurück nach Europa. In London traf sie mit Florence Nightingale zusammen, reiste weiter nach Paris, um eine Anstellung zu suchen. Doch es stellte sich heraus, dass dort nicht einmal ihre Dissertation anerkannt wurde. Sie erwarb aber damals ein französisches Diplom für Geburtshilfe; einige Frauen durften an der medizinischen Fakultät in Paris studieren, weil Kaiserin Eugènie sich dafür eingesetzt hatte.

 So entschloss sie sich, nach New York zurückzukehren, um eine eigene Praxis zu eröffnen. Da kein Hausbesitzer der Ärztin die entsprechenden Räumlichkeiten vermieten wollte, nahm sie ein Darlehen auf und kaufte sich ein Haus. Der Zustrom der Patientinnen war so groß, dass sich nun endlich auch die Presse für sie interessierte und Kollegen aufhörten, sie zu belächeln. Es floss soviel Geld, dass sie 1857 das erste Frauen- und Kinderkrankenhaus in New York eröffnen konnte, das ausschließlich von Frauen geleitet wurde. Ihre Schwester Emily, die am Rush Medical College von Chicago Medizin studieren konnte, arbeitete bei ihr zuerst als Hebamme, bis sie dann zusammen mit der Polin Dr. Marie Zakrewska die Leitung des New Yorker Krankenhauses übernahm, dem später ein medizinisches College angegliedert wurde, um Frauen die Ausbildung zur Ärztin zu erleichtern.

Als 1859 Elizabeth Blackwell im britischen Medizin-Register aufgeführt war auf Grund ihrer ausländischen Diplome, dekretierte die britische Ärztevereinigung im folgenden Jahr, dass Inhaber solcher Diplome in England nicht praktizieren dürfen.

Elizabeth Blackwell kehrte immer wieder nach England zurück und gründete dort die National Health Society. Sie lernte Sophia Jex-Blake (1840 - 1912) kennen. Diese hatte sich 1869 an der medizinischen Fakultät der Universität Edinburgh beworben. Dort erklärte man ihr, dass es sich für eine einzelne Frau nicht zieme, an den Kursen teilzunehmen. So organisierte sie ein Gruppe von sieben Frauen und sie konnten das erste Jahr ungehindert absolvieren. Als sie dann den Anatomiekurs besuchen wollten, hatten die Studenten den Eingang verbarrikadiert, bewarfen die Frauen mit Schmutz und riefen ihnen Obszönitäten zu. Als sie endlich im Hörsaal angelangten, wurden ihnen Schafe präsentiert mit dem Hinweis, dass nun "niedrige Tiere" nicht mehr von den Hörsälen ausgeschlossen sein. Da Sophia Jex-Blake das erreichte Diplom verweigert wurde, ging sie zu weiteren Studien nach New York und wurde Schülerin von Elizabeth Blackwell.

Es hielt sich hartnäckig in den Köpfen von Studenten und Ärzten in England, was der Pastor F.D. Maurice 1855 erklärt hatte: Er glaubte nicht an die Ausbildung von Frauen "für Aufgaben, die zu unseren (der Männer) Berufen gehöre. In Amerika wollen einige das Diplom für Ärzte erreichen und praktizieren. Ich wünsche nicht nur, dass keines der Kollegs, auf die ich einen Einfluss habe, auf so etwas hinführt; sondern ich denke, dass es keinen weiteren Grund für Frauenkollegs geben kann als diesen, den geringsten Wunsch nach solchen Zuständen zu verhindern, in dem die Seelen, die ihn hegen könnten, in eine andere gesundere Richtung gelenkt werden." Die Fähigkeiten zum Arztsein sei nach dem Willen Gottes dem männlichen Geschlecht zugewiesen. Als Jex-Blake 1875 in England dann versuchte, Frauen aufgrund der Lizenz zur Geburtshilfe ins Medizin-Register eintragen zu lassen, trat die gesamte Prüfungsbehörde aus Protest zurück. Jex-Blake hatte nämlich ein Edinburgh eine Medizinische Schule gegründet, an die sie auch Elizabeth Blackwell berief, nachdem diese 1899 ihre New Yorker Schule schloss, da das Cornell University College von da an auch Medizinstudentinnen aufnahm.

Elizabeth und Emily Blackwell setzten sich bis an ihr Lebensende - beide starben 1910 - in zahlreichen Aufsätzen und Reisen für die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und den Ausbau der allgemeinen Krankenversicherung ein. Gleichzeitig kritisierten sie den exzessiven Einsatz der Chirurgie und die sexuelle Doppelmoral.

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

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Elizabeth Blackwell

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Anmerkung: Am 26. November 2001 starb Regine Hildebrandt, eine Politikerin, die sagte, was sie dachte ohne Rücksicht auf ihr politisches Ansehen. Ursprünglich sollte sie die Miss Dezember werden, aber dann fand ich es so kurz nach ihrem Tod doch nicht passend (und sie selber hätte es wahrscheinlich gar nicht gewollt). Deshalb habe ich mich für eine andere Politikerin entschieden, die ihre Klappe auch nicht halten konnte - allerdings zu einer Zeit, in der man für unbequeme politische Ansichten noch mit dem Leben bezahlen musste und diese Zeiten sind noch nicht all zulange her. Im kriegsverseuchten Advent 2001 habe ich mich für Rosa Luxemburg entschieden, die sich ihr ganzes Leben lang gegen Krieg eingesetzt hat. Tina

Rosa Luxemburg

 

* 1870 in Zamosc (Polen)   t 1919 in Berlin

"Die Freiheit ist immer die Freiheit der anders Denkenden."  Rosa Luxemburg

 

Am 15. Januar 1919 geschah in Berlin ein Doppelmord, dessen wahrer Tathergang vertuscht werden sollte. Die Presse meldete: "Liebknecht und Rosa Luxemburg erschossen. Der Kraftwagen, der den verhafteten Liebknecht aus dem Edenhotel ins Gefängnis bringen sollte, hatte im Tiergarten eine Panne. Liebknecht versuchte zu fliehen und wurde von der Begleitwache erschossen. Rosa Luxemburg wurde, als sie ins Gefängnis gebracht werden sollte, von der wütenden Menge niedergeschlagen und durch einen Schuss getötet. Ihre Leiche wurde entführt." 

Tatsache war, dass Rosa Luxemburg zusammen mit Karl Liebknecht ohne Haftbefehl festgenommen und ins Edenhotel gebracht worden war. Schon im Hotel wurde die Spartakistin schwer misshandelt, wie dies ein Zimmermädchen beobachtet hatte: " Ich werde den Anblick nicht los, wie man die arme Frau niedergeschlagen und umhergeschleift hat." Auf dem Weg ins Berliner Gefängnis Moabit schlug man sie mit Gewehrkolben. Die Gefangene war bei vollem Bewusstsein, als ein Bewacher ihr die Waffe an den Kopf setzte und abdrückte. Die Leiche warfen die Soldaten der Reichswehr in den Landwehrkanal; erst am 31. Mai 1919 konnte sie geborgen werden.

 Höhnisch schrieb Paul Celan:

"Der Mann ward zum Sieb, die Frau

musste schwimmen, die Sau,

für sich, für keinen, für jeden. -

Der Landwehrkanal wird nicht rauschen. Nichts

stockt."

Rosa Luxemburg war erst 48 Jahre alt, als man sie ermordete. Am 5. März 1870 in Zamosc im russischen Teil Polens geboren, schloss sie sich schon als Schülerin der sozialistischen Arbeiterbewegung an, emigrierte nach dem Abitur nach Zürich und studierte dort Volkswirtschaft und Philosophie. 1897 promovierte sie mit "magna cum laude".

Zusammen mit Leo Jogiches, der ihre erste große Liebe wurde, beteiligte sie sich maßgeblich an der Gründung der im Untergrund tätigen Arbeiterpartei des Königreiches Polen und Litauen.

Rosa Luxemburg zog es nach Berlin. Durch eine Scheinehe mit Gustav Lübeck, die im April 1903 in Basel geschlossen und 1908 geschieden wurde, kam sie zur deutschen Staatsbürgerschaft. Ihr Geliebter wurde späte kostja Zetkin, der Sohn von Clara Zetkin. Rosa engagierte sich in der SPD und entwickelte sich zur führenden Theoretikerin des linken Flügels. 1907 wurde sie Dozentin an der Parteihochschule der SPD in Berlin. Sie reiste durch Deutschland und hielt zündende Reden "gegen Militarismus und imperialistischen Krieg!"

Zusammen mit Karl Liebknecht begründete sie die "Gruppe International" (Spartakusbund). Bei all diesen politischen Aktivitäten arbeitet sie mit Clara Zetkin, August Bebel und Karl Kautsky, mit dessen Mutter Minna sie befreundet war, eng zusammen. Ihr Einsatz für den Sozialismus führte schon vor Kriegsbeginn zu ihrer Verurteilung: "Wenn uns zugemutet wird, die Mordwaffe gegen unsere französischen Brüder zu erheben, dann rufen wir: Nein, das tun wir nicht ." 

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde für sie zur größten Katastrophe ihres Lebens. Alle Konferenzen der II. Internationale hatten mit dem Gelöbnis geendet, einen europäischen Krieg zu verhindern, was aber nicht gelang.

Von 1915 bis 1918 war Rosa Luxemburg mit Unterbrechungen inhaftiert. Nach ihrer Befreiung aus dem Gefängnis in Breslau gründete sie 1918 die Zeitung "Rote Fahne" und entwarf das Programm der am 1. Januar 1919 gegründeten KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). Am 15. Januar 1919 wurde sie schändlich ermordet.

Der Trauerzug nach Berlin Friedrichsfelde, wo sie beigesetzt wurde, war unübersehbar. Rosa Luxemburg hat sich und Clara Zetkin als die beiden einzigen "Männer" der deutschen Sozialdemokratie bezeichnet. Rosa Luxemburg hienterließ ein umfangreiches Werk. Für ihre beste Arbeit hielt sie selbst das Buch "Die Akkumulation des Kapitals oder : Was die Epigonen aus der Marxschen Theorie gemacht haben. Eine Antikritik".

Clara Zetkin schrieb über Rosa Luxemburg: "Die kleine, gebrechliche Rosa war die Verkörperung beispielloser Energie. Wenn sie unter Überanstrengung zusammenbrechen drohte, so "erholte" sie sich bei einer noch größeren Leistung. Bei Arbeit und Kampf wuchsen ihr Flügel."

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

Links:

über Rosa Luxemburg (von dort stammt auch das Bild, das ihr oben sehen könnt)

die Rosa Luxemburg Stiftung

 

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Rosalba Giovanna Carriera

* 1675 in Venedig   t 1757 in Venedig

"Begabt mag sie ja sein, aber hübsch ist sie nicht." Kaiser Karl VI.

Rosalba Carriera war eine der größten Malerinnen des Rokoko. Vor allem als Portraitkünstlerin wurde sie von der vornehmen Gesellschaft hochgeschätzt. Unter ihren zahlreichen fürstlichen Auftraggebern nahmen August III. von Sachsen und Polen sowie sein Sohn Kurprinz Friedrich Christian eine herausgehobene Stellung ein, da sie die bei weitem größte Sammlung von Werken der venezianischen Malerin zusammentrugen; man kann sie heute in der Dresdener Gemälde Gemäldegalerie bewundern.

Die Künstlerin wurde am 7. Oktober 1675 als älteste von drei Töchtern des Hausverwalters Andrea Carriera und seiner Ehefrau Alba Foresti in Venedig geboren. Als Rosalba Zeichentalent erkennen ließ, wurde sie zu Guiseppe Diamantini und Antonio Balestra in die Lehre gegeben. Die Aquarellminiatur- und Pastellmalerei soll sie bei Felice Ramelli erlernt haben. Besondere Bedeutung wird dem Einfluss ihres Schwagers Giovanni Antonio Pellegrini zugeschrieben. Schon frühzeitig waren ihre Miniaturbildnisse sehr geschätzt. Als sie anfing, mit Pastellstiften Portraits, religiöse, allegorische und mythologische Halbfigurendarstellungen zu schaffen, fand sie die ihrem Genie adäquate Technik. Rosalba sollte der Pastellmalerei eine vorher nie da gewesene Bedeutung verleihen. Die eleganten, trotz aller Zugeständnisse charakterisierenden Portraits in den zarten, hellen Farben trafen mit ihrer samt- und perlmuttartigen Oberflächenwirkung den verfeinerten Geschmack des Rokoko. Bereits die ersten von Rosalba in der Pastelltechnik geschaffenen Portraits riefen ein sensationelles Echo hervor. Wegen der großen Nachfrage musste die Malerin Mitarbeiterinnen beschäftigen. Außer ihren beiden Schwestern Giovanna und Angela nahm dir junge Malerinnen als Schülerinnen und Gehilfinnen auf. 

Ihren größten künstlerischen Triumph erlebte Rosalba in Paris. Im März 1720 reiste sie in die französische Hauptstadt, wo ihr während ihres einjährigen Aufenthalts eine enthusiastische Aufnahme zuteil wurde. Sie lernte berühmte Künstler kennen und zahlreiche Maler übernahmen von ihr die Pastelltechnik. Erst seit ihrem Aufenthalt in Paris kann man von einer französischen Pastellmalerei sprechen. Rosalba wurde mit Bildnisaufträgen überhäuft, unter anderem portraitierte sie Ludwig XV. als Dauphin. Am 26. Oktober 1720 wurde sie in die Pariser Malerakademie aufgenommen. Diese für Frauen damals höchst seltene Ehrung hatte die Künstlerin schon zweimal erfahren: Am 27. September 1705 hatte sie die Ernennung zum Mitglied der Accademia die San Luca in Rom und am 14. Januar 1720 in die Accademia Clementina in Bologna erlangt.

1721 kehrte sie nach Venedig zurück und wohnte mit ihrer Schwester Giovanna, später mit ihrer Schwester Angela zusammen.

1723 begab sie sich auf Einladung des Herzogs Rinaldo d`este nach Mondena, um dort den Herzog, dessen drei Töchter sowie eine Reihe von Hofleuten zu portraitieren. 1730 hielt sie sich mehrere Monate in Wien auf, wohin sie Kaiser Karl VI. eingeladen hatte, um Mitglieder der kaiserlichen Familie zu malen.

Ihr Leben nahm eine tragische Wendung, als sich ein Augenleiden einstellte, das zur Erblindung und Aufgabe ihrer Arbeit führte. Eine Operation am grauen Star im Jahre 1749 brachte nur ein vorübergehende Besserung. Ihre letzten Lebensjahre musste die Künstlerin in völliger Blindheit verbringen. Am 15. April 1757 starb die in tiefste Schwermut und zuletzt in geistige Umnachtung verfallene Rosalba Carriera in Venedig.

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

Links:

onlinekunst.de

frauenstadtarchiv.de

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Astrid Lindgren

* 14. November 1907 in Vimmerby/S   t 28. Januar 2002 in Stockholm

"Das stört keinen großen Geist !" Karlsson vom Dach

Astrid Anna Emilia wurde am 14. November 1907 auf dem Bauernhof Näs bei Vimmerby in Smaland als zweites Kind von Samuel August und Hanna Ericsson geboren. Sie hatte noch einen Bruder und zwei Schwestern. Einige ihrer Bücher werden später in dieser Gegend und zu dieser Zeit spielen und haben viele Autobiographische Inhalte ("Die Kinder von Bullerbü", "Michel" und "Madita").

1924 trat Astrid Ericsson eine Stelle als Journalistin bei einer Zeitung in Vimmerby an, 1926 begann sie in Stockholm eine Ausbildung zur Sekretärin. Im Dezember 1926 gebar sie Lars, ein uneheliches Kind, das sie zu Pflegeeltern geben musste. Diesem Kind widmete sie einen wunderschönen Text

1931 heiratete sie Sture Lindgren; 1934 wurde Tochter Karin geboren.

1944 verletzte sich Astrid Lindgren und war eine Zeitlang ans Haus gefesselt, ein Glück für alle Kinder der Welt, denn in dieser Zeit schrieb sie eine Geschichte nieder, die sie sich für ihre Töchter ausgedacht hatte: "Pippi Langstrumpf "

1946 folgte "Meisterdetektiv Kalle Blomquist" und "Pippi geht an Bord"

1947 "Die Kinder von Bullerbü"

1948 "Pippi fährt zur See"

1949 "Mehr von uns Kindern aus Bullerbü"

1950 "Kalle Blomquist lebt gefährlich" / sie bekommt die Niels Holgersson Medaille

1952 stirbt Sture Lindgren

1953 "Kalle Blomquist, Eva-Lotte und Rasmus"

1954 "Mio, mein Mio"

1955 "Karlsson vom Dach"

1956 "Rasmus und der Landstreicher" /Deutscher Jugendbuchpreis, Sonderpreis für "Mio, mein Mio"

1957 Der schwedische Staatspreis für Autoren der hohen Literatur - zum ersten Mal für Kinderbücher

1958 "Die Kinder aus der Krachmacherstrasse" /Hans Christian Andersson Medaille für Rasmus und der Landstreicher

1960 "Madita " 

1962 "Karlsson fliegt wieder"

1963 "Michel in der Suppenschüssel" (im schwedischen Original heißt Michel übrigens Emil)

1964 "Ferien auf Saltkrokan"

1965 kauft sie ihr Geburtshaus, den Hof Näs

1966 "Michel muss mehr Männchen machen"

1967 "Skrollan und die Piraten"

1968 ein weiterer Karlsson vom Dach Band

1970 "Michel bringt die Welt in Ordnung"

1973 "Die Brüder Löwenherz"

1976 "Madita und Pims"

1978 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

1979 Wilhelm-Hauff-Preis und der International Janusz-Korczak Award für die Brüder Löwenherz

1981 "Ronja Räubertochter"

1984 "Als klein Ida auch mal Unfug machen wollte"

1986 starb ihr Sohn Lars

1987 "Märchen" / Leo Tolstoy International Gold Medaille

1989 Albert Schweitzer Medaille; Ehrendoktortitel der Universität Warschau

1993 International Book Award der UNESCO International Book Committee

1994 erhielt sie den Alternativen Nobelpreis. 

Sie setzte sich nach dem Ende ihrer schriftstellerischen Arbeit vor allem für einen besseren Tierschutz ein.

Am 28. Januar 2002 starb Astrid Lindgren in Stockholm, bis zu letzt wohnte sie in der Wohnung, die sie mit ihrem Mann 1941 bezogen hatte.

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eine Linkübersicht

eine englische Fanseite

eine kurze Biographie

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374 Frauen bekennen vor der Öffentlichkeit: Wir haben abgetrieben !

Anfang März gab es in Irland einen Volksentscheid zum Thema Abtreibung. In Irland werden auch nach Vergewaltigungen keine Abtreibungen vorgenommen, nur mit strenger medizinischer Indikation. Frauen, die dennoch ihre Schwangerschaft abbrechen wollen, müssen nach Großbritannien gehen, sofern sie sich das finanziell leisten können.

Bei uns in Deutschland wird diese Frage durch den Paragraphen 218 geregelt, der vor einigen Jahren entschärft wurde. Aber es war in diesem März, als sich der letzte deutsche Bischof den befehlen des Vatikans unterwarf und die Schwangerenkonfliktberatung einstellte.

Meine Playmates des Monats sind deshalb die 374 Frauen, die im Juni 1971 in einem Stern Artikel das Thema Abtreibung in Deutschland auf`s Tablett brachten und für eine langjährige Diskussion sorgten, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist.

Carola hat sich auf ihrer Hausfrauenseite dieses Themas schon einmal angenommen und deshalb verlinke ich euch auf ihre Seite, dort könnt ihr den Sternartikel nachlesen.

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Margarete von Österreich

* 1480 in Brüssel   t 1530 in Mechelen

"Ich lasse Euch als meinem einzigen Erben die mir anvertrauten Lande ... nach einer Regierung, für die ich Gottes Lohn, Eure Zufriedenheit und den Dank der Nachwelt erwarte." Margarete von Österreich an Kaiser Karl V.

 

Hochzeiten zur Sicherung der politischen Machtstellung waren nichts Seltenes in den führenden Dynastien früherer Jahrhunderte - auch nicht im Hause Habsburg. Erzherzogin Margarete, die Tochter von Kaiser Maximilian und Maria von Burgund, galt als die begehrteste Erbtochter ihrer Zeit.

Mit 3 Jahren wurde sie aus politischen Gründen mit den französischen Dauphin, dem späteren König Karl VIII. "verheiratet" und zugleich von ihren Eltern zur Erziehung nach Amboise an den französischen Hof gegeben. Als Elfjährige musste sie erleben, dass ihr "Gemahl" am 6. Dezember 1491 Anne, die Erbin der Bretagne, heiratete. Dies bedeutete, dass Margaret abgeschoben wurde. Daraufhin erklärte der verärgerte Kaiser dem untreuen Karl VIII. den Krieg und nahm ihm Flandern, Artois - das zur Mitgift von Margarete gehört hatte- und die Freigrafschaft Burgund ab.

Margarete war an den Hof ihrer Stiefmutter Margarete von York nach Mechelen zurückgebracht worden. So arrangierte Kaiser Maximilian I. für seine Kinder Philipp und Margarete eine doppelte Verbindung mit den Kindern der katholischen Könige Ferdinand von Aragonien und Johanna von Kastilien. Es ging vor allem um die Erbansprüche auf den spanischen Thron. Eine prachtvolle Doppelhochzeit festigte die Bande zwischen dem Hause Habsburg und dem spanischen Herrscherhaus.

Doch die Erzherzogin Margarete wurde bereits fünf Monate nach der am 5. Oktober 1497 in Burgos mit dem Infanten Juan geschlossenen Ehe Witwe. Sie war erst 17 Jahre alt und die Ehe war nicht vollzogen worden. Margarete kehrte daraufhin 1500 in die Niederlande zurück, um am 11. Dezember 1501 mit Herzog Philibert II. von Savoyen verheiratet zu werden. Nach knapp dreijähriger glücklicher Ehe starb auch dieser Gemahl. Margarete hatte schon zu Lebzeiten ihres Mannes an der Regierung Savoyens mitgewirkt und im Schloss von Pont-d`Ain großartigen Hof gehalten. Da Margarete kinderlos geblieben war, kam es zu dem Spottvers:" Seht euch Margarete an, dies sanfte Fräulein. Sie hatte zwei Ehemänner und ist doch noch Jungfrau."

Margarete kehrte erst im November 1506 nach Mechelen zurück, um wegen des unerwarteten Todes ihres Bruders Philipp in Burgos die Erziehung ihres Neffen Karl und ihrer Nichten Eleonore, Isabella und Maria zu übernehmen; Karl wurde später als Kaiser Karl V. inthronisiert. Die drei Kinder nannten Margarete "Frau Tante und gute Mutter". Sie verdankten ihr mütterliche Zuwendung und das wertvolle Vorbild einer wahrhaft fürstlichen Frau.

Mit 27 Jahren ernannte sie ihr Vater am 8. März 1507 zur Regentin der Niederlande, wo sie sich größter Beliebtheit erfreute. Die Residenzstadt Mechelen, das Zentrum der Provinzialversammlungen, machte die kunstsinnige Regentin zu einen Treffpunkt von Künstlern und Gelehrten. Dorthin kamen etwa Bernard von Orley, Jan Gossaert genannt Mabuse, der Musiker Josquin des Prés, der belgische Poet und Chronist Jean Lemaire oder die Architekten Van Bodeghem und Van Pene, um nur einige zu nennen. Margaretes Regierungszeit wurde zu einer Periode des Wohlstandes und Friedens, da die Regentin über sehr viel diplomatisches Geschick verfügte. Sie führte die Regentschaft von 1507 bis 1515, also bis zur Mündigkeit ihres Neffen Karl, der von 1515 bis 1518 dort regierte, allerdings wenig glücklich, so dass Margarete die Regierungsgeschäfte wieder übernahm und bis zu ihrem Tode im Jahre 1530 weiterführte.

1528 gelang es ihr, einen definitiven Frieden mit dem Herzogtum Geldern auszuhandeln. Ein Jahr später war sie maßgeblich beteiligt am so genannten "Damenfrieden" vom Cambrai, in dem Frankreich auf seine Souveränitätsrechte über Artois und Flandern verzichtete. Den Frieden hatten - ohne kriegerische Verwicklungen - die beiden Frauen Margarete, stellvertetend für ihren Neffen Karl V., und Louise von Savoyen als Vertreterin ihres Sohnes, des französichen Königs Franz I., zustande gebracht.

Margarete war eine musisch sehr begabte Herrscherin. Sie malte Portraits, komponierte und dichtete. Ihre Kompositionen sind zum großen Teil erhalten. In den "Albums poétiques" fasste sie Gedichte und Kompositionen zusammen, die von ihr und Mitgliedern des Hofes verfasst worden waren. Es finden sich darin Werke von Pierre de la Rue, Ockeghem und anderen Komponisten der niederländischen Schulen, die für Margarete arbeiteten. Der Arzt und Humanist Heimrich Cornelius Agrippa von Nettesheim widmete der von ihm bewunderten Frau seine zukunftsweisende Schrift:"De nobilitate et praecelentia feminae sexus". Er plädierte darin stark für die volle Gleichstellung der Geschlechter.

Ihre letzte Ruhestätte fand Margarete an der Seite ihres Mannes Philibert von Savoyen und dessen Mutter in der Kirche von Brou bei Brou-en-Bresse. Margarete hatte in der einfachen Bendiktinerklosteranlage eine großartige Kirche, ein Meisterwerk der Spätgotik, errichten lassen, ebenso eine Grablege für ihren zweiten Gemahl, nach dessen Ableben sie sich nicht mehr zu einer erneuten Heirat entschließen konnte. An ihrem Grabmal ist die Regentin zweimal in einer Portraitstatue verewigt, als Herzogin mit Krone und als Frau mit langwallendem Haar, außerdem sieht man sie andächtig kniend in einem Glasfenster dargestellt.

Margaretes Nachfolge trat ihre Nichte Maria von Ungarn (1505 - 1558) an. Maria, die Schwester Karls V., vor allem wegen ihrer Toleranz berühmt, hatte in Mechelen am Hof ihrer Tante - wie schon erwähnt - eine sorgfältige Erziehung genossen. Bereits 1515 verheiratete man die 10jährige Prinzessin in Wien in der spektakulären "Kinderhochzeit" mit dem ungarischen Thronfolger. Die 1522 endgültig geschlossene Ehe dauerte nur 4 Jahr, mit 21 Jahren wurde Maria bereits Witwe. Auf abenteuerlichen Wegen floh sie zu ihrer geliebten Tante Margarete nach Mechelen. Dort wirkte sie ab 1530 als Regentin, wodurch die Tradition der weiblichen Thronfolge in den Niederlanden begründet wurde.

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

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noch eine sehr ausführliche Biographie

ein Tanzbüchlein von Maragete

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Friederike Caroline Neuber

* 9. März 1697 in Zwickau   t 1760 in Laubegast bei Dresden

"Die Lust soll ehrbar seyn, bezaubernd und gelehrt" Caroline Neuber

Eine "Wegbereiterin des deutschen Theaters" wird Friederike Caroline Neuber genannt. "Nichts als eine Comödiantin" - so bezeichnete sie sich selbst mit vollem Selbstbewusstsein und wies in ihren vielen Publikationen darauf hin, dass der Berufsstand des Wanderschauspielers kein besonderes Ansehen genoss und Bühnendarstellerinnen schlechtweg als sittenloses, unehrliches Gesindel galten. Ihren eigentlichen Durchbruch erlebten die deutschen Bühnenkünstlerinnen erst im 18. Jahrhundert. Vorher gab es eine Art "Warnliteratur", die darauf abzielte, die Theaterlust der höheren Töchter zu bremsen und das Bühnenleben in den düstersten Farben zu schildern. Doch immer wieder gab es Frauen, die von zu Hause ausbrachen, oft um einer bürgerlichen Konvenienzehe zu entgehen.

Auch Friederike Caroline Weißenborn stammte aus dem Bürgertum. Am. 9. März 1697 in Zwickau geboren, verlor sie sehr früh ihre Mutter. Ihr Vater, der tyrannische Advokat Daniel Weißenborn, konnte mit seiner Tochter nichts anfangen. Er feierte den Geburtstag seiner Tochter immer als Unglückstag. Vor den Peitschenschlägen floh die Fünfzehnjährige leider erfolglos. Der zweite Fluchtversuch gelang zusammen mit dem Studenten Johann Neuber, der sie heiratete. Sie wollte Schauspielerin werden und fand Aufnahme in der "Spielgelbergschen Komödiantentruppe". Zehn Jahre später übernahmen sie und ihr Mann die Prinzipalschaft der "Haack-Hoffmanschen Gesellschaft". Friederike Neuber regierte mit starker Hand. Sie bestand auf einem geregelten, fast bürgerlich ablaufenden Tagesplan, auf feste Probenzeiten, Sauberhaltung der Bühnengarderobe und einer Einschränkung des Wirtshauslebens von Seiten der Junggesellen in der Truppe. Dies brachte ihr die Bezeichnungen "theatralische Lehrmeisterin", "strenge Moralistin" und "pädagogische Prinzipalin" ein.

Was die "Neuberin" anstrebte, war ein festes Haus und ein Publikum, das im Theater etwas anderes suchte als Hanswurstiaden oder blutrünstiges Spektakel. Als Direktorin des Theaters setzte sie zusammen mit dem Aufklärer Johann Christoph Gottsched eine entscheidende Reformierung des deutschen Bühnenstils durch. Seit 1727 besaß die Neuberin das Privileg, als königlich polnische und kurfürstlich sächsische Hofkomödiantin auftreten zu dürfen.

Es war ein großer Erfolg, dass ihr August der Starke in Leipzig einen festen Aufführungsort zuweisen ließ: den "Boden, über den aus dem Naschmarkte nach der Reichsstrasse führenden Fleischbänken", das so genannte "Fleischhaus".

Zehn Jahr später in Frankfurt zählten die renommiertesten Schauspieler Deutschlands zu der Truppe der Neuberin. Ihr Erfolg war es, dass von nun an das gebildete Publikum eine deutsche Schaubühne besuchte, wie dies schon 1701 die Theaterprinzipalin Catharina Elisabeth Velten propagiert hatte. Friederike Neuber sagte dazu: "Man hält mir als einer deutschen Frau nicht vor übel, dass ich ganz allein mich zur Verbesserung der deutschen Schaubühne angetrieben und allem Vorschub, so wohl bey Hohen als Niedrigen, Gelehrten und Ungelehrten, aufs eyfriste dazu gesucht habe." So verbannt sie von ihrer Bühne die Rolle des Harlekins und bemühte sich um ein differenziertes Rollenrepertoire für Frauen.

Nach großen Erfolgen in Kiel, Hamburg, Dresden, Frankfurt, Wien und Sankt Petersburg war die Glanzzeit des Reformunternehmens (1730 - 1739) vorüber. Selbst die Zusammenarbeit mit dem jungen Gotthold Ephraim Lessing, dessen erstes Stück "Der junge Gelehrte" die Truppe 1748 aufgeführt hatte, half nicht aus dem Debakel. Die letzten Lebensjahre verbrachte das Ehepaar Neuber, das 1760 kurz nacheinander in Laubengast bei Dresden starb, in größter Armut.

Goethe setzte der Schauspielerin und Direktorin Friederike Neuber ein literarisches Denkmal in der Gestalt der Madame de Retti in "Wilhelm Meisters Wanderjahre".

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

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Eleonore von Aquitanien

* 1122 im Schloss Belim bei Poitiers   t 1204 in Fontevrault bei Saumur

Die Löwin von Aquitanien

Wär`die ganze Welt mein
von dem Meere bis an den Rhein,
darauf würd`ich verzichten,
wenn die Königin von England
in meinem Arm läge.

Einer der Dichter der Carmina Burana

 

Die "Hochzeit der Lilie mit dem Ölzweig" nannte ein Troubadour die Verbindung zwischen Eleonore, der fünfzehnjährigen Enkelin und Erbtochter Wilhelm X. vom Aquitanien, mit Ludwig VII., dem Thronerben Frankreichs, am 15. Juli 1137. Eleonore brachte eine bedeutende Mitgift mit in die Ehe, nämlich das Herzogtum Aquitanien und die Grafschaften Poitieres und Gascogne. Bereits am 8. August wurde Eleonore Königin von Frankreich, da ihr Schwiegervater, König Ludwig VI., am 1. August verstorben war.

Im Jahr 1147 brach Eleonore mit ihrem Gemahl an der Spitze eines großen Heeres zu einem Kreuzzug ins Heilige Land auf. Auf der Synode in Clermont (1095) hatte Papst Urban II. zu einem Kreuzzug aufgerufen, an dem auch Frauen teilnehmen durften. Nachdem aber 1096 ein erstes Kontingent aus Armen, Frauen und Kindern von den Seldschuken erschlagen worden war, beschloss der Papst, dass keine Frauen mehr an Kreuzzügen teilnehmen dürften. Eleonore machte sich trotz dieses Verbotes mit ihrem Mann auf den Weg nach Jerusalem. Der Kreuzzug sollte sich allerdings als Desaster erweisen. In Antiochia empfing Fürst Raimund, Eleonores Onkel, die Kreuzfahrer aufs herzlichste. Ludwig VII. bezichtigte jedoch bald seine Frau des Ehebruchs mit Fürst Raimund. Die Folge: Zurückgekehrt nach Frankreich, ließ das Königspaar seine Ehe im Frühjahr 1152 annullieren - angeblich wegen zu naher Verwandtschaft.

Nur zwei Monate später vermählte sich die schöne, leidenschaftliche und kluge Eleonore mit dem zehn Jahre jüngeren Heinrich Plantagenet, einem Sohn von Geoffrey le Bel, Graf von Anjou und Herzog der Normandie, dem Anwärter auf den englischen Thron, den Heinrich und Eleonore am 19. Dezember 1154 bestiegen und 20 Jahre lang innehatten. Zusammen waren sie mächtiger als der König von Frankreich. Zu den beiden Töchtern aus erster Ehe gebar Eleonore noch weitere acht Kinder. Als sich König Heinrich aber Rosamunde Clifford zuwandte, unterstützte Eleonore den Aufstand ihrer Söhne Heinrich des Jüngeren, Richard Löwenherz und Gottfried von der Bretagne gegen den eigenen Vater. Sie war über den Ehebruch ihres Mannes sehr erbost. Vielleicht fühlte sie sich aber auch - wie ihre Söhne - von der Machtausübung ausgeschlossen.

Auf Wunsch König Heinrichs, ihres Gemahls, verfasste der Erzbischof von Rouen, Rotrou von Warwick, eine feierliche Strafpredigt, die der Königin ausgehändigt wurde. "Wir bedauern alle in einer gemeinsamen Klage, dass du, eine so kluge Frau vor allen anderen, dich von deinem Gatten getrennt hast. Was noch schlimmer ist, du hast die Frucht eurer Leiber, deines und des Königs, gegen ihren Vater aufgestachelt ..... Kehre doch zurück, o hochberühmte Königin, zu deinem Gemahl und unserem Herrn ....., dem du gehorchen und bei dem du leben sollst...." Heinrich II. ließ daraufhin seine einst so mächtige Gemahlin in England einsperren; sie lebte nun auf verschiedenen Burgen und durfte das Land nicht verlassen. Nach dem Tod ihres Mannes (1189) erlangte sie erneut Autorität. Großes Glücksgefühl empfand Eleonore, als ihr Lieblingssohn, der Drittgeborene Richard Plantagenet, genannt Richard Löwenherz (1157 - 1199), am 3.ten September 1189 in der Westminster-Kathedrale in London gekrönt wurde.

1192 trug sie dazu bei, die Rebellion ihres Sohnes Johann ohne Land in England während der Kreuzfahrt Richards zu unterdrücken und führte für diesen die Regentschaft. Sie ritt auch für ihren Sohn auf Brautschau nach Spanien, führte ihm die von ihr favorisierte junge Prinzessin Berengaria, Tochter des Königs Sancho von Navarra, zu und brachte sie ihm nach Messina. Auf dem Weg nach Sizilien kam es zu einem Treffen großer Persönlichkeiten; in Lodi begegneten sich Königin Eleonore und der deutsche Kaiser Heinrich VI., samt dessen Gemahlin Konstanze, Erbin des Normannenreiches. Die Krönung dieses Kaiserpaares vollzog Papst Cölestin am 14. April 1191, einem Ostersonntag, in Rom; dort empfing er auch Königin Eleonore.

Ihr Sohn Richard geriet bei seiner Rückkehr vom Kreuzzug in der Nähe von Wien in Gefangenschaft. Zunächst auf dem Dürnstein verwahrt, setzte ihn Kaiser Heinrich VI. später auf dem Trifels bei Annweiler in der Pfalz fest. Eleonore warf dem Papst vor, ihrem Sohn, dem königlichen Kreuzfahrer, nicht durch kirchliche Sanktionen geholfen zu haben. Drei von Eleonore signierte Briefe an den Papst sind erhalten und beginnen mit "Eleonore, durch Gottes Zorn Königin von England". Die nun schon 72jährige Königin schiffte sich von England aus mit dem geforderten Lösegeld nach Deutschland ein. Am 2. Februar 1194 fand in Mainz ein Treffen mit Kaiser Heinrich VI. statt, bei dem der englische König aufgrund der Fürsprache seiner Mutter wieder die Freiheit bekam. Ende März hielt er einen triumphalen Einzug in London, die Mutter an seiner Seite. Der schlimmste Schicksalsschlag traf die Königin am 6. April 1199: Sie stand am Sterbebett ihres geliebten Sohnes Richard Löwenherz.

Von ihren fünf Söhnen war ihr nur einer geblieben: Johann ohne Land, ein haltloser, schwacher Mensch. Eleonore setzte ihn dennoch als Nachfolger gegen ihren erbberechtigten Enkel Arthur I. von der Bretagne durch.

Mit über 80 Jahren überschritt Eleonore nochmals die Pyrenäen und begab sich zu ihrer jüngsten Tochter eleonore, der einzigen, die ihr noch geblieben war, Gemahlin des Königs Alfons VIII. von Kastilien. Dort holte sie ihre Enkelin Blanca von Kastilien als Braut für Ludwig von Frankreich, dem späteren König Ludwig VIII., ab. Blanca erwies sich als rechter Nachkomme ihrer Großmutter Eleonore: Sie wurde eine energische Königin und hervorragende Mutter, vor allem in der Zeit ihrer Regentschaft für ihren Sohn Ludwig dem Heiligen.

Erwähnt sei auch noch Eleonores Tochter Mathilda, die im Dom zu Minden als Elfjährige dem fast 40jährigen Herzog Heinrich dem Löwen von Sachsen angetraut wurde. Mathildes wichtigste Mitgift war ihre ausgezeichnete Erziehung und Kenntnis der Troubadourdichtung. Aus Frankreich besorgte sie zwei große Werke - das Epos über Tristan und Isolde und das Rolandslied; beide ließ sie ins Deutsche übersetzen.

Johanna, die jüngste Tochter der Königin, wurde Gemahlin von Willhelm II. von Sizilien, dem letzten Normannenkönig; frü verwitwet heiratete sie schließlich den Grafen von Toulouse.

Eleonore von Aquitanien gilt als bedeutendste Königin ihrer Zeit. Sie verkehrte mit großen Persönlichkeiten, wie zum Beispiel Bernhard von Clairvaux und Thomas Beckett. Eleonore inspirierte Troubadoure und Minnesänger zu immer neuen Liedern, sie förderte die Troubadourdichtung - schließlich war sie ja die Enkelin des ersten Troubadours, Wilhelm IV. von Aquitanien.

Eleonore, die einstige Königin von England und Frankreich, schloss am 31. März 1204 für immer die Augen. Sie ruht in der Abtei von Fontevrault östlich von Saumur in einem Hochgrab zwischen ihrem zweiten Gemahl Heinrich und ihrem Sohn Richard Löwenherz, der sie "mater carissima" und "mater dulcissima" nannte - wahrlich eine unvergleichliche Frau.

Quelle : " Frauen, die die Welt bewegten" Martha Schad (Pattloch Verlag, München 2000) ISBN 3-629-01625-1  

 

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eine Sternchronik

Und hier noch ein (zwei) Buchtips:

"Die Löwin von Aquitanien" von Tanja Kinkel
"Die Löwin von Aquitanien" & "Wahnsinn, der das Herz zerfrisst" - ein Doppelband (der Zweite Band handelt von Lord Byron, dem Vater von Augusta Ada Lovelace)

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